Die Länder der Europäischen Union sind in der Wachstumspanne. Schuld daran ist nicht nur die Finanzkrise mit ihrem Druck auf öffentliche und private Haushalte. Schuld ist vor allem die allgemeine Zukunftsangst, die Phobie vor neuen Technologien und deren Anwendungsmöglichkeiten, gerade was neue, billigere Energiequellen anbelangt.
Das Blockadeprinzip
Das “Vorsorgeprinzip” ist zu einer Blockade-Mentalität verkümmert. Beim geringsten Zweifel ist Abstinenz angesagt. Die Nanotechnologien arbeiten mit Kleinstpartikeln, 10.000 Mal kleiner als ein menschliches Haar. Was so klein ist, muss besonders gefährlich sein. Die europäische Konsumentenorganisation BEUC findet, man müsse die Langzeitrisiken der neuen Technologie studieren. Negative Konsequenzen sind zwar trotz zahlreicher bereits erfolgten Studien keine bekannt, aber man weiß ja nie, ob z.B. Nanosilber, das Mikroben vernichtet, nicht in ferner Zukunft der größten Mikrobe, dem Menschen, gefährlich werden könnte…
Über die Hälfte der Menschheit lebt in Ländern, in denen seit 20 Jahren genetisch verbesserte Pflanzen von Menschen wie Tieren problemlos verzehrt werden. Hätte es irgendwo einen Krankheits- oder gar Todesfall durch OGMs gegeben, Greenpeace hätte es trompetet.
Innerhalb der EU, auch in Luxemburg, wird massenhaft genetisch verbesserter Soja oder Mais verfüttert, alles Importware. Europa soll genfrei bleiben. Deshalb werden selbst Forschungsprojekte zerstört. Die Bayer-Werke haben nunmehr ihre gesamte Gen-Forschung in die USA ausgelagert.
In Europa wird nur noch über “Langzeitrisiken” geforscht. (Dioxin-verseuchte Bio-Eier sind dagegen kaum eine Meldung wert.) Die Europäer sind dabei, sich aus allen Zukunfts-Technologien auszuklinken.
Nicht nur Nano- und Biotechnologien sind suspekt. Die Nuklearforschung, die nicht nur Atommeiler betrifft, wird ausgegrenzt. Die gesamte Technologie wird den Amerikanern, Chinesen, Russen, Koreanern und Japanern überlassen (die sich trotz Fukushima nicht von der Nuklear-Industrie verabschieden).
Europa optiert für Energiearmut
Trotz aller Klimagipfel wird der weltweite Energieverbrauch weiterhin zunehmen. Die EU träumt zwar von einer Welt, die ab 2050 ihre Energie vornehmlich aus “erneuerbaren Quellen” bezieht, allen voran Sonne, Wind, eventuell Biomasse. Das wird aber ein Traum bleiben. Sonnenkollektoren und Windmühlen bleiben wetterabhängig und müssen durch kurzfristig einsetzbare Stromquellen ergänzt werden.
Nach dem deutschen Einstieg in den Ausstieg aus der Nuklearindustrie werden in unserem Nachbarland fleißig Gasturbinen und Kohlekraftwerke gebaut, um die Grundauslastung der Leitungsnetze zu gewährleisten. Die CO2-Bilanz der Bundesrepublik wird sich dadurch nicht verbessern.
Vor allem müssen die “Erneuerbaren” stark bezuschusst werden. Der Konsument zahlt drauf, die Energierechnung für Haushalte wie Betriebe steigt und steigt. Energiearmut macht sich breit. In Deutschland, in Großbritannien wurden Hunderttausende von der Stromzufuhr abgeschnitten, weil sie ihre gestiegenen Elektrizitätskosten nicht begleichen konnten (laut Welt allein 600.000 Haushalte in Deutschland).
Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe ist in Gefahr. Ausgerechnet in Deutschland haben haufenweise Betriebe der Solarwirtschaft (grüne Arbeitsplätze lassen grüßen) Konkurs angemeldet. Chinesen, Koreaner und Japaner liefern billigere Fotovoltaik-Zellen.
Die europäische Stahlindustrie, die Glas- oder Zementwerke stehen unter Druck. Nicht nur wegen höherer Energiekosten und stärkerer Umweltauflagen.
Vor allem weil Wachstum in Asien und in aufsteigenden Ländern wie Brasilien, Indien, Indonesien stattfindet. Selbst in den USA zeichnet sich ein Trend zur Reindustrialisierung ab.
Bei Baton Rouge baut Nucor Steel zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein neues Stahlwerk. Die französische Firma Valourec investiert in ein Werk für Röhrenherstellung. In den USA, nicht in Europa.
Die Gasrevolution
Der Bedarf für Stahl und stählerne Röhren ist rasant steigend in Nordamerika, nachdem massiv in die Gewinnung von “Shale”-Gas investiert wird.
Nicht konventionelle Gase, vor allem Schiefergase und Ölsände, aber auch Methan-Hydrate, sind schwieriger zu gewinnen als klassisches Erdgas. Dafür sind die unkonventionellen Gase und Öle viel besser über alle Kontinente verteilt und werden die Monopolstellung der Araber oder Russen untergraben können.
Die Internationale Energie Agentur veröffentlichte vor Kurzem einen Bericht über “Unconventional Gas”, übertitelt “Goldene Regeln für ein goldenes Gas-Zeitalter”.
Die IEA sieht die Probleme bei der Gewinnung von Shale-Gas. Diese haben, wie immer bei der Erschließung von Energieträgern, ob Kohle, Uran, Erdöl, Erdgas oder selbst Biomasse, einen nicht unwesentlichen Einfluss auf Natur und Umwelt. Doch falls die “goldenen Regeln” der Agentur beachtet werden, falls die zur Gewinnung unkonventioneller Gase und Öle eingesetzten Techniken gut geregelt und ständig verbessert werden, erschließt sich der Menschheit eine neue Energiequelle mit einem riesigen Potenzial.
Laut IAE könnten die Reserven für unkonventionelle Gase doppelt so hoch sein wie für Erdgas.
In Europa, wie könnte es anders sein, wird die Gas-Revolution misstrauisch beäugt.
Die “Grande Nation”, die früher von sich sagte, “En France, nous n’avons pas de pétrole, mais nous avons des idées”, hat noch immer kein Erdöl, aber offensichtlich auch keine Ideen mehr. Unter Sarkozy haben Rechte wie Linke noch vor den Wahlen ein Gesetz erlassen, das die Technik des “Fracking” von Ölschiefern verbietet.
Sinkende Gaspreise… in den USA
Auch in anderen europäischen Staaten und im Europaparlament dominieren die Skeptiker. Allein in Polen, womöglich auch demnächst in Deutschland wie in Großbritannien, wo gewaltige Schiefergas-Vorkommen lokalisiert wurden, wird an eine Ausbeutung dieser Ressourcen gedacht.
Während die Europäer wie üblich ihrer Technologiephobie frönen, ziehen Chinesen, Argentinier, Kanadier und vor allem die Amerikaner einen steigenden Nutzen aus der Ausbeutung ihrer unkonventionellen Gase und Öle.
Die USA haben ihre Erdöl- und Erdgasimporte dank Shale-Gas drastisch senken können. Noch erstaunlicher: Der CO2-Ausstoß der Amerikaner sinkt, weil Kohlekraftwerke durch Shale-Gas-Kraftwerke ersetzt werden. Unkonventionelle Gase haben den gleichen CO2-Ausstoß wie klassisches Erdgas (das zu dem angeblich erneuerbaren Energie-Mix von Enovos, Leo und Co. gehört).
Selbst wenn zurzeit bei der Gewinnung von Shale-Gas der eingesetzte Energieaufwand noch höher ist als beim Fördern von klassischem Erdgas.
Wichtigste Folge der Gasrevolution in den USA ist jedoch ein drastischer Preisrückgang. Für industrielle Abnehmer ist der Preis pro Kilowatt-Stunde auf weniger als zwei Dollar-Cent gefallen (1,6 Euro-Cent), gegenüber dem doppelten bis dreifachen Preis in den EU-Staaten.
Entsprechend verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der USA, während die in Europa angestrebte “Energiewende” zu einer steigenden Belastung für Industrie und Konsumenten führt.
Energie aus Luxemburg?
Das müsste nicht sein. Gerade in Europa gibt es üppige Vorkommen an unkonventionellen Gasen und Ölen. So lokalisierte die Gesellschaft Elixir Petroleum in Lothringen und besonders im benachbarten Département de la Moselle große Vorkommen von Schieferöl. Auch in Luxemburg gibt es solche Vorkommen. Im Süden gab es verschiedentlich sogar Sickerbrände, weil sich Schiefergas entzündete. Eine Studie von 1993, “The organic petrology and geochemistry of the Troacien oil shale of Luxembourg”, schätzt die nationalen Vorkommen auf praktisch 100 Millionen Kubikmeter, genug um den nationalen Energiebedarf für 20 bis 30 Jahre zu stillen.
Doch wagt im gelobten Land Luxemburg niemand anzudenken, diese Ressource auch zu nutzen. Parteienübergreifend besteht Denkverbot. Allein “nachhaltige Entwicklung” ist angesagt. Was “Nachhaltigkeit” bedeutet, wird in seinen Konsequenzen nie diskutiert.
Doch ohne Entwicklung, und vor allem ohne Nutzung modernster Technologien, wird das ganze Nachhaltigkeits-Gerede bloß zu einem Religionsersatz verkümmern.
Tags: développement durable, Energie, Luxembourg, Shale gas
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