Nach dem “hässlichen Amerikaner” George W. werden die USA demnächst von einem charismatischen, jungen Präsidenten geführt, der quer durch die Welt einen Sympathie-Vorschuss genießt, wie seit den Kennedy-Tagen keinem US-Präsidenten mehr.
Dennoch sei die Frage erlaubt: Kann Barak Obama dieses fast naive Vorvertrauen honorieren?
Der neue Präsident stellt mit Sicherheit eine Zäsur dar. Als Sohn eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin verkörpert er die globalisierte Mischkultur, die seit langem die internationale Film-, Fernseh- und Musikszene prägt. Oder die Sportswelt.
Sicher es gibt noch viele Rassisten. Weiße, aber auch Schwarze oder Gelbe, welche Andersfarbigen oder Mestizen ablehnend gegenüber stehen. Nicht zu reden von Religionen und Sekten, die alle an “ihrem” Gott und ihren Symbolen festhalten. Die derzeitige Mode des interkulturellen Dialogs darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rom in Rom bleiben will, Mekka in Mekka, und sich um Jerusalem weiterhin viele Religionsgemeinschaften streiten. Nicht zu reden von den Dutzenden amerikanischen Kirchen und Sekten, die alle felsenfest an die Richtigkeit ihrer gottgegebenen
Unterschiede glauben.
Barak Obama wird als erster farbiger Präsident es nicht leicht haben, sich im eigenen Land gegenüber hartnäckigen Vorurteilen von “born again”-Christen und anderen Fundamentalisten durchzusetzen. Ebenso schwierig wird es sein, den oft widersprüchlichen Erwartungen zu begegnen, die Obama auf allen Kontinenten entfacht hat.
Die Ausmistung der Ställe des Augias durch Herkules war ein Kinkerlitzchen gegenüber dem, was Obama nach 8 Bush-Jahren erwartet. Die Amerikaner sind verstrickt in zwei Kriege, die nicht zu gewinnen sind. Um sich aus dem Irak zurückzuziehen, um die Situation im Afghanistan zu konsolidieren, wird Obama Appell an die Europäer machen. Mehr europäische Soldaten nach Bagdad und Kabul werden die europäische Begeisterung für Obama schnell dämpfen. Doch wird es ein Preis sein, der zu zahlen ist, um den USA zu helfen, ihre miserable wirtschaftliche Situation zu korrigieren. Nicht zuletzt um dem Rest der Welt aus der tiefen Wirtschaftskrise herauszuhelfen, die alle Kontinente bedroht. Seit Ronald Reagan leben die USA über ihre Verhältnisse. (Selbst wenn es Bill Clinton zeitweilig gelang, die staatlichen Defizite etwas abzubauen). Die Champions des Ultraliberalismus, Reagan, Bush Vater und Sohn, haben in Amerika eine Pump-Mentalität gefördert, von der die Weltwirtschaft zwar lange profitierte. Nunmehr heißt es, die US-Zeche zu zahlen.
Finanziell stehen die USA vor einem Abgrund. Das US-Haushaltsdefizit beträgt (ohne die Rettungsaktion zugunsten der Banken) 500 Milliarden Dollar. Das Handelsdefizit nimmt nicht ab. Die USA schulden dem Rest der Welt über 13.000 Milliarden Dollar. Jeden Tag kommen 2 Milliarden Dollar neue Schulden hinzu. Macht alle 15 Monate 1 Trilliarde mehr!
Zu diesen Defiziten gesellen sich weitere Löcher. Die öffentliche Krankenkasse für Rentner hat ein Minus von 34.000 Milliarden Dollar. Die – sehr dürftige – Kasse für die Unterstützung von Arbeitslosen hat ein Defizit von 7.000 Milliarden Dollar. Somit beträgt allein die öffentliche US-Schuld 53 Trilliarden Dollar. Das ist eine Zahl mit 12 Nullen, mehr als Bush Kabinettsmitglieder hatte.
Obama droht in einem Meer von Defiziten zu versinken. Er benötigt mehr als nur unsere Glückswünsche.
Tags: Economie, Etats-Unis, International, Obama
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