05|07
2012

Für neue Technologien, gegen die Illusion einer Klimapolitik.

In teueren Glanzanzeigen in der internationalen Presse vertrat der World Wildlife Fonds (WWF) die Auffassung, die Rio+20 Konferenz könnte die letzte Chance der Menschheit sein, um den Planeten auf nachhaltige Entwicklung einzustimmen. Der WWF hätte besser getan, die Gelder seiner Spender zu nutzen, um konkret in die Erhaltung der Lebensräume von gefährdeten Tierarten zu investieren.

Denn der Rio-Gipfel endete wie vorher Kopenhagen oder Durban mit bloßen Absichtserklärungen. Außer Spesen, nichts gewesen. Dabei waren 50.000 offizielle und zivile Umweltschützer angereist. Die ersten übten sich in Sprechblasen. Die letzteren produzierten ihre üblichen kameragerechten Happenings. Doch alles verpuffte als laue Samba-Luft in der Stadt am Zuckerhut.

Wie Harald Welzer im „Der Spiegel“  (26/12) treffend feststellte, hat sich mit dem Aufkommen der Umweltbewegung „eine Öko- und Nachhaltigkeitsindustrie mit einem eigenen Betriebssystem etabliert, in dem die NGO’s, Stiftungen, Kommissionen, Think-Tanks und Räte in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Mittel stehen.“

Deshalb diese sinnlosen Konferenzen. „Der Spiegel“: „Mit 50.000 Teilnehmern. Also mit 100.000 Flügen, einer Million Taxifahrten, Telefonaten, Powerpoint-Präsentationen, Videokonferenzen, Catering, Getränken, mit allem also, was so dazugehört. Dieser ganze Betrieb, der für die Fluggesellschaften, das Gastgewerbe und die Energiekonzerne toll ist, findet übrigens ganz unbeschadet davon statt, dass das Abschlussdokument im Grunde schon formuliert ist, bevor der erste besorgte Teilnehmer in seinen Flieger gestiegen ist. Und unbeschadet davon, dass nichts, aber auch gar nichts beschlossen wird.“

Dem Rummel der Klima-Gipfel geht immer eine Welle von Katastrophen-Meldungen voraus. Jede spezialisierte Agentur der Vereinten Nationen brachte sich mit pessimistischen Berichten über Naturkatastrophen, Gletscherschmelze oder Artenschwund in Erinnerung. Immerhin müssen die Kreditanforderungen für das kommende Jahr untermauert werden, müssen neue Konferenzen in den schönsten Urlaubszielen, von Bali über Cancun bis Rio legitimiert werden.

Weil die Vereinten Nationen für „die Besorgnis“ über den Zustand des Planeten zuständig sind, schwirren die offiziellen „Besorgnisträger“ wie die inoffiziellen „Mahner der Zivilgesellschaft“ auf Kosten anderer um den Globus.

Während die Europäische Union alle Flugzeugpassagiere wegen der von Flugzeugen verursachten Umweltbelastung zur Kasse zwingt, leisten sich die Mahner ein gutes Gewissen auf Kosten der Steuerzahler. So etwa die Umwelt-Kommissarin Connie Hedegaard, die aus Budgetmitteln der Union „Kompensationszahlungen“ für ihre Flugkilometer an eine britische Umweltorganisation zahlen lässt. Dabei hat die gut besoldete Frau Hedegaard kürzlich in einem in vielen europäischen Zeitungen veröffentlichen Artikel noch die Meinung vertreten, es sei jedem Bürger zuzumuten, eine kleine Umweltabgabe auf Flugzeugtickets draufzuzahlen.

Glücklicherweise hat die EU-Kommission diese modernen Ablass-Zahlungen noch nicht verallgemeinert. Für einige UNO-Agenturen ist es dagegen Mode geworden, die Vielfliegerei aller Mitarbeiter zu „kompensieren“, selbstverständlich auf Kosten der Allgemeinheit! 

Es wäre der Menschheit sehr gedient, falls die internationale Gemeinschaft dem Wanderzirkus der internationalen „Klima-Gipfel“ ein Ende bereiten würde. Die Erfahrung zeigt, dass das Konsensmodell der Vereinten Nationen nicht aufgehen kann. Wie kann man die Interessen der USA, der EU, Chinas, Indiens, Japans, Brasiliens und anderer Industrieländer mit denjenigen von Peru, Vanuatu, Tonga oder Lesotho auf einen einstimmigen Nenner bringen?

18 große Staaten emittieren 80% aller sogenannten Klima-Gase. Der Anteil der EU am Gesamtausstoß ist fallend, tendiert zu 10%. Der größte „Klimasünder“, die USA, wurde von China überholt. Dass historisch gesehen die alten Industrienationen einen gewichtigen Anteil an den gestiegenen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre haben, verpflichtet zu Solidarität und vor allem zu Technologietransfers mit den Staaten der Dritten Welt, doch sind deren finanzielle Forderungen ebenso undurchsichtig wie überzogen.

Ein juristisch bindendes Klimaabkommen, welches alle Nationen der Welt verpflichten würde, ist unerreichbar wie der Horizont.

Was heißt übrigens „juristisch bindend“? Falls ein Staat seine Auflagen nicht einhalten könnte, würde dann dessen Staats- oder Regierungschef vor den Internationalen Gerichtshof zitiert und unter Umständen zu einer Gefängnisstrafe verdonnert?

Das „bindende“ Kioto-Abkommen zeigt zu Genüge, wie irrelevant solche Vertragstexte sind. In Kioto hatten sich bloß 3 Dutzend Industrienationen zu konkreten Zielvorgaben verpflichtet. Die Japaner und die Kanadier sind schon ausgestiegen. Die Europäer interpretieren Kioto nach Lust und Laune, z.B. wenn sie alle Europa anfliegenden Fluggesellschaften zu CO2-Abgaben zwingen wollen, obwohl der Kioto-Vertrag sowohl die See- wie die Luftfahrt ausklammerte.

Der angeblich beispielhafte EU-Aktionismus in Sachen Klimapolitik beeindruckt den Rest der Welt wenig. In Kopenhagen wurde das Schlusskommuniqué von Obama mit den Chinesen, den Indern, den Brasilianern und den Südafrikanern ausgehandelt. Barroso, Merkel, Sarkozy und Co blieben vor der Tür. In Rio stießen die „grünen“ Vorschläge der Union auf taube Ohren, zumal die Europäer und die Amerikaner ihr Scheckheft nicht zücken wollten.

Das offizielle Klimaziel der EU, die CO2-Emissionen weltweit so zu stabilisieren, dass es bloß zu einer 2-Grad-Erwärmung kommen sollte, ist eine totale Illusion.

Das Klima unserer Erde ist seit jeher einem dynamischen Prozess unterworfen, dessen vielschichtigen Parameter selbst von Großrechnern nicht voll erfasst werden können. Alle Berechnungen des IPCC sind so gut (besser: so schlecht) wie die mangelhaften Daten, mit denen die Computer-Programme gespeichert werden.

Wie der amerikanische Verband der Geophysiker dieser Tage berichtete, haben Wissenschaftler See-Elefanten mit Sensoren und Sendern ausgestattet. Die See-Elefanten, die im Gegensatz zu Forschern während Monaten um und unter dem Schelfeis im Osten der Antarktis in realen Bedingungen die Temperatur und das Salzgehalt erfassten, lieferten Daten, welche den bisherigen Modellen widersprachen. So sei das Wasser um die Antarktis während der Zeit des Experimentes kälter gewesen, und das Eis sei weniger schnell geschmolzen, als bisher angenommen.

Jede Woche gibt es Forschungsbefunde, welche die Prognosen des Weltklimarates in Zweifel ziehen. Doch besonders in Europa hält die offizielle Politik an ihren Dogmen fest, gerade was das 2-Grad-Ziel anbelangt.

Als ob das Weltklima sich gewissermaßen per Thermostat-Einstellung regeln lassen würde!

Trotz kontinuierlichem CO2-Ausstoss kam es seit einem Dutzend Jahren zu keinem Anstieg der mittleren Temperatur auf dem Globus. Ohnehin ist mit Mittelwerten nicht viel anzufangen auf einem Erdball, wo die Temperatur je nach Jahreszeiten und Breitengraden zwischen -50° bis +50° schwankt.

Für die Menschheit wäre es viel gescheiter, falls die internationale Gemeinschaft das Klima-Spektakel mit seinen unproduktiven Gipfeln einstellen würde. Statt dessen sollte mehr Geld in Forschung, Technologietransfers und besseren Umgang mit Energie und anderen Ressourcen gesteckt werden.

Selbst in Ländern wie China, Indien und vielen Entwicklungsländern, die sich nicht in das hypokritische Klimakorsett der Europäer zwingen lassen, geschieht immer mehr in Sachen Rezyklierung von Rohstoffen oder Nutzung neuer wie alternativer Energien. Nicht per Zufall ist China zum Marktführer für Photovoltaik und Windkraft aufgestiegen.

Die Europäer sind dagegen dabei, aus purem Dogmatismus ihre industrielle Basis zu zerstören. Die Wachstumspanne der EU ist die direkte Konsequenz der Fortschrittfeindlichkeit einer Gesellschaft, die bei jeder neuen Technologie nur Risiken sieht, während der Rest der Welt Opportunitäten nützt.

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