17|05
2010

Euro-Pleite

Der Euro, der Dollar und die Dummheit der Märkte

Der Euro ist unter Druck. Hauptschuldige sind die anglo-amerikanischen Finanzmärkte samt ihrer Kampfpresse, sowie Europas Staats- und Regierungschefs, die seit Wochen im Gefolge der griechischen Schuldenkrise wie aufgescheuchte Hühner herumgackerten, um fast zu spät ein teueres Ei zu legen.

Der Euro war von Anbeginn den Finanzkapitalisten in New York und London ein Ungemach, da er langfristig die Vorherrschaft von Pfund und vor allem Dollar bedrohte. Als die europäische Einheitswährung 2001 eingeführt wurde, gab es sofort eine heftige Spekulation gegen den Euro. Nach anfänglichen Schwächen gewann dieser dennoch zusehends an Wert, zumal die Inflation im Euroraum geringer blieb als in Großbritannien und den USA. Der Wertverlust von Dollar und Pfund gegenüber dem Euro nahm zu.

Letztes Jahr mussten bis zu 1,51 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Europas Exportindustrie, allen voran die deutschen Exportmeister, stöhnten damals über den zu teueren Euro.

Noch immer ist der Euro in seiner Kaufkraft stärker als der Dollar. Doch die Finanzmärkte wetten auf einen Zerfall des Euro-Raumes. Erste Zielscheibe: Griechenland.

Keine Alternative zum Euro

Die Griechen haben ihre Konten getürkt und zuviel Schulden angehäuft. Für das griechische Volk wird die Rechnung bitter werden. Denn es gibt keine Alternative zum Verbleib der Griechen im Euro. Würde Griechenland zur Drachme zurückkehren, eine bodenlose Abwertung der neu-alten Währung gegenüber Euro und Dollar wäre die Folge.

Das würde Reisen zu den griechischen Inseln wieder attraktiver machen. Doch dieser relative Gewinn an Kompetitivität müsste teuer bezahlt werden. Die Griechen müssten ihre Importe, z.B. Erdöl, weiterhin in harten Währungen bezahlen. Vor allem müssten sie ihre Euro- oder Dollar-Schulden mit einer billigen Drachme zurückzahlen Damit würde die Schuldenlast des Landes in dem Masse anschwellen, wie die Drachme gegenüber Euro und Dollar abgewertet würde.

Es sei denn, Griechenland optierte für den Staatsbankrott und verweigerte jede Rückzahlung seiner Schulden. Die Griechen wären zwar ihre Schulden vorerst los, doch würden sie auf Jahre hinaus keinen Kreditgeber mehr finden, und müssten von der Hand in den Mund leben. Die Dummen wären im Falle eines Staatsbankrotts die Gläubiger Griechenlands, vor allem europäische Banken und Sparer, welche in griechische Staatspapiere investierten.

Die Chinesen Europas

In Deutschland wird kritisiert, dass die Bundesregierung nach langem Zieren 30 Milliarden Euro zur europäischen Stützung Griechenlands beisteuern soll. Im Falle eines griechischen Staatsbankrotts würden allein die deutschen Banken  45 Milliarden Euro verlieren. Nicht zu reden von den zukünftigen Mindereinnahmen der deutschen Exportwirtschaft in einem bankrotten Griechenland. Die deutsche Bauwirtschaft war bislang  Hauptnutznießer  der europäischen Strukturbeihilfen an Griechenland.

Die Deutschen sind die Chinesen Europas. Sie exportieren dank dem Euro die Hälfte ihrer Waren und Dienstleistungen risikolos in die E.U., weigern sich jedoch, zum notwenigen Lastenausgleich zwischen den EU-Staaten beizutragen. Die Chinesen haben die Deutschen als Exportweltmeister überrundet. Doch investieren die Chinesen ihre riesigen Handelsüberschüsse in amerikanische Staatspapiere, womit sie indirekt den hohen Lebensstandard der Amerikaner finanzieren.

Das Hauptproblem der E.U. ist nicht der Mangel an nationalen Stabilitätspolitiken. Vielmehr das Fehlen einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik und vor allem der mangelhafte Finanzausgleich zwischen den Mitgliedsstaaten. Über den EU-Haushalt wird nicht einmal ein Prozent des europäischen Sozialproduktes umverteilt. In den USA werden über den Bundeshaushalt rund 30 Prozent der jährlichen Wertschöpfung umverteilt.

Mutter ohne Courage

Doch die Mutter ohne Courage des Bundesrepublik, Frau Merkel, zögerte zu lange im Europäischen Rat, um den Spekulanten gegen den Euro Paroli zu bieten. Diese haben Blut gerochen. Nach Griechenland wollen sie Portugal, danach Spanien, später Italien aus der Eurozone herausbrechen. Viele der Finanzhasardeure in New York und selbst in London haben Schwierigkeiten, die europäischen Staaten auf einer Weltkarte zu situieren. Die meisten Trader sind Halbgebildete, welche nur die Zahlensprache beherrschen, und mit ihrer gierigen Wettsucht ganze Volkswirtschaften ruinieren, ohne eine Ahnung von den makro-ökonomischen Realitäten der Welt zu haben.

Eine unbequeme Wahrheit

Die Realität ist, dass manche europäische Staaten sich zu viele Schulden aufgehalst haben. Schulden engen auf Dauer die Handlungsfähigkeit jedes Einzelnen, aber auch jedes Staates ein. (Deshalb ist die großherzogliche Regierung gut beraten, zu großen Defiziten vorzubeugen).

Doch ist das Hauptproblem dieser Welt nicht Griechenland. Selbst die Schulden Portugals und vor allem diejenigen Spaniens sind prozentual und absolut geringfügig gegenüber den Schulden Japans oder Großbritanniens. 

Die Briten sind eigentlich der kranke Mann Europas. Kaum noch Industrie, wenig Zukunftssektoren, eigentlich nur noch ein Finanzplatz, der als Unterseeboot der Amerikaner fungiert. Selbst der Nobelkaufhof Harrods gehört nunmehr Qatar.

Das größte geopolitische Problem stellt jedoch der Dollar dar. Die wichtigste Reservewährung der Welt ist auf einen Schuldenberg aufgebaut, der in absoluten Zahlen astronomisch ist. Jährlich müssen die USA zirka 6000 Milliarden Dollar auf den Finanzmärkten borgen, um ihre diversen Haushaltsdefizite sowie ihren Handelsdefizit zu begleichen. Zu dem Defizit der US-Regierung, dieses Jahr um die 1800 Milliarden Dollar, gesellen sich noch die Defizite vieler Bundesstaaten. Ganz zu schweigen von den Schuldenbergen, welche auf der amerikanischen Wirtschaft lasten, sowie dem Schulden-Himalaya der amerikanischen Privathaushalte, die Initialzündung  der Weltfinanzkrise.

Schwarzeneggers Pleite

Wer weiß schon, dass der Staat Kalifornien einen Finanzierungsbedarf von 25 Milliarden Dollar hat, bei einem Haushalt von 100 Milliarden? Florida, Hawaii, Connecticut, New York, New Jersey, Rhode Island kennen kräftige Budgetlöcher. Das Haushaltsloch in  Illinois, Obamas Bundesstaat, beträgt zirka 13 Milliarden Dollar, etwa die Hälfte des Budgets.

Um Geld zu sparen hat Hawaii in den Schulen die 4-Tage-Woche eingeführt. Der Bürgermeister von San Franzisko hat 17.000 Angestellten der Stadt gekündigt. Eingestellt wird nur mehr, wer eine 37,5-Stundenwoche akzeptiert, mit entsprechender Lohnkürzung. Dieses Jahr sind bislang kommunale Schuldverschreibungen in der Höhe von 5 Milliarden Dollar geplatzt, die meisten in Florida.

Euroland hat Probleme. Dollarland noch mehr. Dennoch ist der Dollar nicht in seiner Existenz gefährdet. Der Euro auch nicht, besonders wenn die Europäer sich die notwenigen Instrumente geben.

Dazu gehört der nunmehr mit zu großer Verspätung beschlossene Krisenfonds. Dazu gehört  ein europäisches Institut für die gemeinsame Emission von Eurobonds, was allen Staaten eine billigere Umschuldung erlauben würde. Weiter eine auf Stabilität und Wachstum ausgerichtete gemeinsame Wirtschaftspolitik. Notwendig wäre eine verstärkte europäische Haushaltssolidarität, die einen Finanzausgleich zwischen strukturstarken und strukturschwachen Staaten schaffte. (So wie das innerhalb der Bundesrepublik und allen europäischen Staaten der Fall ist.)

Dazu gehört letztlich auch eine Knebelung der Spekulation auf den Finanzmärkten, das Verbot von Praktiken wie Leerverkäufen und ähnlichen spekulativen Wetten. 

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