Luxemburg neigt zur Selbstgefälligkeit. Wir sind gegen Nuklearenergie, importieren bloß Atomstrom. Wir sind frei von Genetisch Modifizierten Organismen (GMO’s), und importieren bloß Produkte, die von Tieren stammen, welche mit genetisch verbesserten Mais oder Soja gefüttert wurden.
Die Wahrheit ist, dass jedes Viehfutter, ob GMO oder nicht, den gleichen Prozess durchmacht. Es wird von den Magensäften zersetzt. Die Nährstoffe werden aufgenommen, der Rest endet als Mist. Es ist im nachhinein nicht festzustellen, mit welchem Futter ein Tier ernährt wurde.
Die unbequeme Wahrheit ist, dass die Europäische Union bloß ein Viertel seiner Futtermittel für die Tierhaltung produziert, und auf Importe aus Drittländern angewiesen bleibt. Die meisten Importe kommen aus Staaten, in denen fast alle Mais- und Soja-Pflanzen aus genetisch verbessertem Saatgut stammen.
Während in Luxemburg die gesamte Politikklasse sich blindlings den Anti-GMO-Kampagnen von Greenpeace und Co anschließt, und unsere Minister sich in den Europäischen Räten immer dem Lager der GMO-Verweigerer anschließen, feiert die grüne Biotechnologie auf den anderen Kontinenten Triumphe.
Gut 12 Millionen Bauern bestellen weltweit rund 10 % der Ackerflächen der Welt mit genetisch verbessertem Saatgut. Sie tun dies, weil sie dadurch weniger Pestizide einsetzen müssen und bessere Ernten einfahren. Es sind vor allem die Bauern der großen Agrarnationen, USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Südafrika, Indien, China, in denen verstärkt auf genetisch verbesserte Produkte gesetzt wird.
In Europa gibt es einen nennenswerten GMO-Anbau bloß in Spanien, gleichzeitig das Land mit dem größten Anteil an biologisch zertifizierten Nahrungsmitteln. Koexistenz ist also möglich.
Vor allem ist die ständige Hetze gegen genetisch verbesserte Agrarprodukte völlig unbegründet. Seit 20 Jahren werden überall in der Welt genetisch verbesserte Pflanzen angebaut, ohne negativen Impakt auf die Umwelt und vor allem auf die menschliche Gesundheit. Es ist noch niemand krank geworden, oder gar verstorben durch den Konsum von genetisch verbesserten Lebensmitteln!
Jeder Mensch, jedes Tier isst täglich Millionen „Gene“. Der Konsum von Genen, ob GMO oder nicht, kann weder bei Menschen noch bei Tieren etwas verändern oder bewirken. Gene sind keine Viren, keine Bazillen, sondern gewissermaßen das Alphabet des Lebens. Menschen, Tiere, Pflanzen wachsen heran durch eine biologische Bauanleitung, das sogenannte Genom. Jedes Genom begreift eine sehr lange Linie von Genen. Es hat immer Veränderungen von Genomen gegeben, z.B. durch Kreuzung oder Züchtung von Tieren und Pflanzen.
Die Vielfalt der Hunde, Rinder, Schafe usw ist das Resultat von genetischen Veränderungen, welche nach dem Zufallsprinzip erreicht wurden. Bauern haben im Laufe der Jahrhunderte viele Nahrungsmittel durch Auslese und Kreuzungen verbessert oder neu geschaffen. Der Weizen unseres täglichen Brotes ist ein Resultat der Kreuzung von drei verschiedenen Kornfrüchten. Es gibt „natürlich“ weder Mandarinen, noch Clementinen, noch Trauben ohne Kerne. Die „Reineclaude“ ist das Ergebnis einer Züchtung.
In allen Fällen kam es zu genetischen Manipulationen. Nur dass die Züchter nicht genau wussten, was sie taten. Die moderne Biotechnologie erlaubt nunmehr, durch gezielte Intervention in das Genom einer Pflanze, z.B. deren Abwehrstoffe gegen schädliche Insekten zu verstärken, oder deren Wasserhaushalt zu regulieren, oder den Vitamin-Gehalt zu erhöhen.
Diese offensichtlichen Fortschritte werden in der Welt von 12 Millionen Bauern genutzt, aber in Europa vernichten wilde GrĂĽne selbst Forschungsanlagen.
In der Europäischen Union vollzieht sich ein absurdes Theater. Jedes Mal, wenn ein GMO-Produkt erlaubt werden soll, studiert die zuständige Behörde EFSA alle möglichen Impakte des neuen Saatgutes. Diese Studien dauern mindest doppelt so lange, als in den USA. Wenn die EFSA ein GMO-Saatgut freigibt, zuletzt die Amflora-Kartoffel von BASF, kann der Ministerrat sich nicht einigen. Luxemburg stimmt gemeinsam mit andern Hinterwäldler dagegen. Es kommt keine qualifizierte Mehrheit zustanden. Die Kommission folgt den wissenschaftlichen Gutachten und erlaubt das neue Produkt. Greenpeace behauptet, die Wissenschaftler seien an die Industrie verkauft, und fordert neu „Langzeitstudien“. Einzelne Länder, darunter auch Luxemburg, verbieten das neue Produkt auf ihrem Territorium.
Die Kommission will diesem absurden Theater nunmehr ein Ende setzen. Sie will die GMO-Zulassungen „renationalisieren“.
Wird damit Luxemburg GMO-frei? Mitnichten. Wir werden weiterhin Produkte importieren mĂĽssen, die von grĂĽner Biotechnologie abgeleitet sind.
Die Amflora-Kartoffel dient nicht der menschlichen Ernährung. Vielmehr ist sie ein erneuerbarer Rohstoff. Aus ihr wird Stärke gewonnen, die z.B. rezykliertem Papier beigesetzt wird. Demnächst werden Zeitungen auf GMO-Papier gedruckt, auch in Luxemburg.
Ohnehin werden im angeblich GMO-freien Luxemburg auch Tiere mit genetisch verbesserten Soja oder Mais gefĂĽttert. Luxemburg importiert jedes Jahr ĂĽber 60.000 Tonnen Futtermittel. Da Europa ein riesiges Defizit an Futtermittel hat, importiert die EU massiv genetisch verbesserten Soja und Mais aus Nord- oder SĂĽdamerika. Laut der Kommission stammen in Zwischenzeit 80 % aller Importe aus GMO-Produktion, alles wohlgemerkt ohne Folgen fĂĽr die Gesundheit der Tiere oder der Menschen.
Grüne Kreise verlangen, dass alle Lebensmittel als GMO’s zu kennzeichnen wären, die aus der Aufzucht von Tieren stammen, die selbst nur zeitweise mit GMO-Futter gemästet wurden. Wäre dies der Fall, müssten praktisch alle Milchprodukte, Käse, Butter, alles Fleisch, Wurst und Schinken als GMO’s „gebrandmarkt“ werden, obwohl nicht festzustellen ist, was verfüttert wurde.
Nebenbei: Wer glaubt, „natürliches“ Futter sei besser, sollte sich bei Molkereien informieren. Milch hat grösseren Nährwert im Winter, wenn die Kühe im Stall gefüttert werden, als wenn sie im Sommer auf der grünen Weide grasen!
Die einheimische Politikklasse wäre deshalb gut beraten, sich mit den biotechnologischen Realitäten zu befassen, anstatt feige den Kampagnen von Greenpeace und Co hinterher zu laufen.
Der Rest der Welt macht gute Erfahrungen mit der grünen Biotechnologie. Europa wird seine Verweigerung von GMO’s nicht aufrecht erhalten können. Die großen europäischen Agrarnationen, Spanien, die Niederlande, Deutschland werden die von der EU-Kommission gewollte nationale Entscheidungsfreiheit in Sachen GMO’s nutzen. Luxemburg wird sich dieser Entwicklung nicht verschließen können.
Vorwärts Kameraden, wir mĂĽssen zurĂĽck. Luxemburg will sich in der industriellen Biotechnologie positionieren. Das wird nur gelingen, wenn wir neuen Technologien gegenĂĽber aufgeschlossen bleiben. In einigen Jahren wird man die nationalen GMO-Ă„ngste genau so belächeln, wie vor einem Jahrhundert die Ablehnung der Eisenbahn durch die Diekircher…
Tags: Luxembourg, OGM
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An Europa, oder besser gesot zu LĂ«tzebuerg, wĂ«llen mer erem alleguer mĂ©i helleg sinn wĂ©i de Popst. D’Leit verlĂ©ieren Ă«mmer mĂ©i den Bezuch zur RealitĂ©it an hunn eng total verkläerten Vue vun der Situatioun dobaussen an am speziellen vun der Landwirtschaft, woubäi de Wirtschaftsberäich Landwirtschaft bei eis Ă«mmer mĂ©i ofgewäert gĂ«t. WĂ«ll heeschen dass d’Leit (land-)wirtschaftlech genotzten Fläschen Ă«mmer mĂ©i mat Naturreservaten verwiesselen an dĂ©i meescht Politiker sprangen voll op den Zuch op. Wann ee weess dass d’europäesch Kommissioun an denen nächsten 5 JoĂ«r de Gebrauch vun 70-80 % vun de Pestiziden, haptsächlech Insektiziden an Fungiziden verbidden wĂ«llt, läit et quasi op der Hand dass mer an 10 JoĂ«r net mĂ©i laanscht d’SĂ©inen vun OGMen kommen wäerten (wat jo mengen ech Zil vun der Kommissioun ass).
“Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”
Ein Schelm, der Böses dabei denkt!
Die Sache mit den Dummheitsgenen will mir nicht aus dem Kopf, es scheint eine Frage des Standpunktes zu sein.
Mir dĂĽnkt, Sie und ich vermuten diese Gene nicht im gleichen Lager.
Es lebe die Vielfalt der Meinungen!; aber bitte!: immer schön fair und höflich bleiben.
Mit besten GrĂĽssen,
Das Problem der genetisch manipulierten Pflanzen liegt in einem ganz anderen Aspekt: Dem der Patentierung von Lebewesen. Es geht den Vertretern und Herstellern der genetisch modifizierten Agrarprodukte herzlich wenig um Schonung der Umwelt und Verbesserung der Rentabilität. Sie zielen im Grunde genommen auf die totale Kontrolle der Distribution von Saatgut und darauf spezialisierten Pestiziden. Ich empfehle Herr Goebbels bei Gelegenheit den Film “Le monde selon Monsanto” zu schauen. Dieser dĂĽrfte den Kern des Problems ein fĂĽr alle Mal erschaulichen.