14|01
2010

Die Vorliebe der Menschheit für Katastrophen

Risikogesellschaft

Die Ankündigung des Schneesturms “Daisy” veranlasste letzte Woche das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zum Aufruf, die Deutschen sollten sich mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kerzen versorgen, da mit einem totalen Schneechaos in unseren Breitengraden zu rechnen sei.
Nach der Hysterie um die globale Erwärmung, die mit dem Kopenhagener Klima-Gipfel einherging, war die Ankündigung dieser kurzfristig drohenden Eiszeit eigentlich erfrischend.

Der Menschheit scheint das Wissen abhanden gekommen zu sein, dass im Winter mit Schnee und Eis zu rechnen ist, und Hitze und Gewitter im Sommer nichts Außergewöhnliches sind. Aber in unserer schnelllebigen Zeit funktioniert nur mehr das Kurzzeitgedächtnis, kümmern sich Politik und Medien mit Vorliebe um die nächste “Katastrophe”.

Seit jeher war das Spiel mit der Angst gewinnbringender als ein nüchternes Umgehen mit der Tatsache, dass wir auf einem Planeten leben, der sich im ständigen Wandel befindet. Auf dem sich täglich 50.000 Gewitter entladen, die Überschwemmungen, Erdrutsche, und im Winter Vereisung oder Lawinen hervorrufen. Eine Erdkugel, die immer wieder von Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird. Eine Biosphäre, wo die Menschen sich immer wieder mit Krankheitserregern aus der Tierwelt infizieren. Null Risiko? Der Zeitgeist will aber Null Risiko. Deshalb wurde das “Vorsorgeprinzip” erfunden, das in Frankreich sogar Verfassungsrang hat. Während es früher üblich war, Vorsicht in allen Lebenslagen walten zu lassen, muss nunmehr jedes erdenkliche Risiko unter Einsatz aller möglichen Mittel verhindert werden. Agieren gerät zum Imperativ, selbst wenn es nur ein vermutetes, ein vermeintliches Risiko gibt.

Was hat die Menschheit allein in den letzten 20 Jahren an globalen “Katastrophen” überlebt? Da war doch mal der “Rinderwahnsinn”, die BSE-Krise. “Experten” zufolge sollten in den nachfolgenden Jahren noch Hunderttausende von Menschen daran sterben. Jedenfalls wurden die Kühe zu Hunderttausenden abgeschlachtet und verbrannt. Irgendwann wurde der Wahnsinn um BSE von der “Vogelgrippe” abgelöst. Nunmehr wurden die Hühner notgeschlachtet. Im Fernsehen waren ständig Leute in Raumanzügen zu bestaunen, die jeden verendeten Schwan sicherten und Sperrzonen um die Fundstellen errichteten. Zwischendurch sollten wir durch “elektromagnetische” Strahlen unserer letzten Hirnzellen beraubt werden. Zwar setzte sich das Handy weltweit durch, doch werden immer noch Relais-Stationen argwöhnisch beäugt. Obwohl es nach Tausenden von Studien keinerlei Beweise für die “zersetzende” Wirkung dieser Strahlen gibt.

Dafür sollen die Europäer aber von GMOs, von genetisch verbesserten Pflanzen verschont bleiben, weil deren “Langzeitwirkung” ungewiss bleibe. Im Rest der Welt werden in Zwischenzeit über zehn Prozent aller Äcker mit GMO-Saatgut bestellt, ohne dass ein einziger Mensch am Konsum von genetisch modifizierten Pflanzen erkrankt oder gar verstorben wäre. In Wahrheit besteht unsere gesamte Nahrung aus Genen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Auslese und Züchtung modifiziert wurden.

Einträgliche Panikmache

Weil aber Panikmache so gut funktioniert, den Medien Schlagzeilen bietet, der Politik neue “Verantwortungen” beschert und den Experten und Bedenken-Trägern gute Einkommen verschafft, jagen sich die “bevorstehenden Katastrophen”.
Wer erinnert sich noch an den “Millennium-Bug”, die Technologie-Katastrophe zum Jahrtausendwechsel? Angeblich sollten um null Uhr alle Computer beim Wechsel zum Jahr 2000 ausfallen, und damit Strom- wie Wasserversorgung in Gefahr, den Flugverkehr zum Stillstand bringen und die Moderne in vorsintflutliche Zeiten versetzen. Milliarden Dollar und Euro wurden in Studien und Backup-Aufrüstung gesteckt, größtenteils nutzlos. Die letzten Monate bescherten der Menschheit die perfekte Katastrophe, die “Schweinegrippe” HINI. Die Weltgesundheitsorganisation rief eine “Pandemie” aus, eine weltweite Grippeepidemie, die Millionen Menschen hinzuraffen drohe.

Wieder einmal bewies die Pharmaindustrie ihre nicht uneigennützige Nützlichkeit und zauberte schnellstens Impfstoff hervor, der es weltweit der Politik erlauben sollte, Verantwortung zu tragen und dem Vorsorgeprinzip zu genügen.
Nunmehr stellt sich heraus, dass die Schweinegrippe nicht gefährlicher als normale Jahresgrippen ist, selbst wenn weltweit 14.000 Menschen starben. Im gleichen Zeitraum starben mehr Menschen in Autounfällen und an anderen “Zivilisationskrankheiten”.

Während überall die Gesundheitsminister aufwendige Impfkampagnen organisierten, ließ die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation sich nicht impfen, obgleich ihre Organisation die “Pandemie” ausgerufen hatte…!

Die Diktatur der Experten

Hier zeigt sich die Absurdität der Diktatur der Experten. Der Skandal um die HIV-infizierten Blutkonserven brachte den Direktor der zuständigen französischen Behörde, Dr. Garreta, ins Gefängnis. Seitdem will kein Verantwortlicher im Gesundheitsbereich das geringste Risiko eingehen. Selbst bei der geringfügigsten Bedrohung der Volksgesundheit wird voller Katastrophenalarm ausgelöst. Experten zeichnen sich dadurch aus, dass sie nie eindeutig Stellung beziehen und unmittelbare Verantwortung übernehmen. “Unter den gegebenen Umständen” und “nach dem derzeitigen Stand des Wissens” destillieren sie ihre Weisheiten und liegen daher nie falsch, wenn sie völlig überzogene “Vorsichtsmaßnahmen” empfehlen. Jede Expertise endet mit dem Hinweis, dass zusätzliche Studien notwendig seien und die Politik gut beraten wäre, mehr Geld für Studien und Forschung bereit zu stellen.
Weil der Katastrophismus so einträglich ist, spezialisieren sich immer mehr offizielle Organisationen, aber auch private Klamauktruppen wie z.B. Greenpeace auf ständige Panikmache.

Deshalb darf der Generaldirektor der Welt-Meteo-Organisation schon vor den Winterstürmen verkünden, 2009 sei das fünftwärmste Jahr seit anderthalb Jahrhunderten. Oder meldet das britische Meteorologische Amt im Dezember 2009, das Jahr 2010 riskiere das wärmste aller Zeiten zu werden, derweilen Anfang Januar 2010 das Amt für Katastrophenschutz in Deutschland den Schneenotstand ausruft! Aber man tröste sich. Die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Schon haben die gleichen OMS-Experten, welche den bedrohlichen HINI -Virus identifizierten, einen neuen Virus im Visier, der angeblich bei den Ziegen grassiert. Mit den Schafen hatten wir ja schon gezittert…

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