«Der Klima-Tourismus ist nicht mehr zu bremsen, er ist zu einem Selbstzweck geworden.»
Zum Zeitpunkt, wo dieser Beitrag entstand, war die Klimakonferenz in Poznan noch nicht beendet. Doch kann man davon ausgehen, dass die Organisatoren die Konferenz als einen Erfolg feiern werden. Man wird von einer verfeinerten «Road-Map» oder einen gemeinsamen «Werkzeugskasten» schwärmen. Vielleicht werden die UNO-Verhandler eine andere diplomatische Worthülse erfinden, welche den Völkern der Welt vorgaukelt, es gäbe Forschritte in Sachen Klimapolitik.
In Wirklichkeit geht es auf diesen Konferenzen zu wie in der Oper. Auf der Bühne singen die Akteure lauthals «marchons, marchons» und hopsen auf der Stelle. 11.000 bis 12.000 Delegierte, Aktivisten und Lobbyisten waren nach Polen geströmt. Allein die Reise dieser «Klimaschützer» nach Poznan wird laut der UNO zur Emission von mindestens 13.000 Tonnen Kohlendioxyd führen, wovon gut die Hälfte auf die 5.500 bis 6.000 Umweltaktivisten der NGOs geht, welche hauptberuflich den Planeten zu retten vorgeben.
Leider ist die Sachlage klar. Trotz allem guten Willen (andere sagen: missionarischem Geist) der Europäischen Union kann es nur ein Klimaschutzabkommen geben, welches zu weltweiten Reduktionen von Klimagasen führt, wenn alle großen Staaten sich beteiligen.
Zehn Staaten sind für 60 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Darunter befindet sich einziges EU-Mitglied: Die Bundesrepublik Deutschland, der größte und meist industrialisierte Staat der Union. Die 27 EU-Länder emittieren zusammen 12 bis 13 Prozent der globalen Klimagase, Tendenz fallend. Die USA sind für 17 Prozent verantwortlich. Brasilien, Rußland, Indien und China haben über ein Drittel der weltweiten Emissionen zu verantworten. Ohne diese BRIC-Staaten, ohne die USA kann es kein sinnvolles Abkommen geben.
Bislang verweigerten sich die USA des George W. Bush. Was Chinesen, Inder, Russen, Brasilianer, Indonesier usw. nicht ermutigte, ihren Beitrag zum Klimapaket zu liefern. Mit dem neugewählten Präsidenten Barak Obama wird sich dies ändern. Doch Obama tritt sein Amt erst im Januar 2009 an. Zusätzlich benötigen die neue Kongressmehrheit sowie die neue US-Regierung einige Wochen, um sich eine klare Strategie zuzulegen. Allein wegen der derzeitigen Handlungsunfähigkeit der Amerikaner war Poznan deshalb als ein potemkinsches Dorf vorbestimmt. Doch was soll’s. Der Klima-Tourismus ist nicht mehr zu bremsen, ist zu einem Selbstzweck geworden.
Neben Bali im Dezember 2007 tagte der klimatische Konferenz-Zyklus der UNO in Bangkok, Bonn und Accra. Produziert wurden 715 Seiten gutgemeinte Vorschläge. Mittlerweile wurde diese Bibel auf 82 Seiten gestutzt. Noch immer zuviel für ein internationales Abkommen, zumal verbindliche Ziele fehlen.
Die Klimakonferenz in Kopenhagen soll es nunmehr Ende 2009 richten. Zumindest werden die Amerikaner bis dahin ihre Strategie haben.
In der Zwischenzeit dreht der klimatische Wanderzirkus seine Runden. Neben der Kyoto-Nachfolgekonferenz der Vereinten Nationen gibt es unzählige Gremien, in denen alle
Varianten der Klima-Diplomatie durchgespielt werden. Es hat sich sogar eine Welt-Toiletten-
Organisation gebildet, die vor kurzem in Indien tagte, um feierlich festzustellen, daß
mindestens zwei Milliarden Menschen ihre Notdurft in freier Natur verrichten.
Lösungsvorschläge gibt es keine. Aber immerhin wissen wir nun, daß wir in beschissenen Zeiten leben.
Tags: Climat, Environnement, Industrie, International, ONU
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