In einem ersten Artikel (tageblatt vom 9.7.11) wurde belegt, dass die EU besser und stärker ist als ihr derzeitiger Ruf. Der Vormarsch der Populisten in vielen Staaten, die Europamüdigkeit mancher Mitbürger ist das Resultat der politischen Führungslosigkeit der Union. Die Merkel, Sarkozy und andere Berlusconi sind bloß auf die nächste nationale Wahl fixiert. Das Theater um Schengen belegt dies. Anstatt anzuerkennen, dass die Freizügigkeit der Europäer ein Riesenerfolg ist, wollen Franzosen, Italiener, nunmehr auch die Dänen, demnächst die Holländer, verstärkte Kontrollen an den Binnengrenzen organisieren, um die von fremdenfeindlichen Parteien geschürten Ängste mancher Bürger zu streicheln. Als ob die 1,3 Milliarden Passagen über die Binnengrenzen des Schengen-Raumes überhaupt zu kontrollieren wären!
Wer hofft, die Europäische Kommission würde Kraft ihres Initiativrechtes die politische Führung übernehmen, wird durch die Brüsseler Aktualität ernüchtert. Die Kommission und ihre Beamtenschaft produziert zwar am laufenden Band Kommunikationen über alles und nichts: Grünbücher, Weißbücher, Strategiepapiere, geschrieben im geschwollenen Jargon der Experten, unverständlich für den Lambda-Bürger.
Anstatt sich um die direkt anstehenden Probleme zu kümmern, Wege aufzuzeichnen um die Strategie 20/20 in den kommenden Jahren zu einem guten Abschluss zu bringen, übertüncht die Kommission ihre Ratlosigkeit mit kühnem Wunschdenken für den Horizont 2050!
Es mehren sich die Strategiepapiere über Klima, Energie oder Transport bis zur Halbzeit des noch immer jungen Jahrhunderts. Bei Prognosen über Europa und die Welt in 40 Jahren sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, zumal nach diesem Zeitraum keiner der derzeitigen politischen Akteure für seine Wahnvorstellungen haften muss. (…)
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